Ein Fest in Bewegung

Fronleichnam ist das einzige Fest, bei dem die Kirche in den Alltag geht, genauer: auf die Straße. Zwangsläufig kommt es dadurch in einem heute nicht mehr durchgängig christlich geprägten Alltag zu Diskrepanzen. In der Fachzeitschrift „Gottesdienst“ schrieb ein Pfarrer vor einigen Jahren:

„Auch die Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten, die in früheren Zeiten eher gegeben war, wenn alle sich beim Segen mit der Monstranz beugten oder niederknieten, ist heute nicht mehr so gegeben. Da kommt es immer wieder vor, dass Leute sich beim Aufstellen zur Prozession laut unterhalten, während der Priester daneben die Monstranz mit dem Allerheiligsten trägt, auch wenn entsprechende Hinweise gegeben wurden. Im vergangenen Jahr erlebte ich, dass eine junge Dame neben der Prozession in Badebekleidung aus dem Auto ausstieg und am Altar vorbei in ihre Wohnung ging und dass ein Mann unmittelbar neben dem Allerheiligsten seine Zigarette rauchte. Sie taten das, was für sie ganz normal ist. Nur ist es heute nicht mehr normal, wenn die Kirche bei einer solchen Prozession beansprucht, dass sich die Leute auf einmal in ihren Gewohnheiten umstellen, weil die Straße zum Gottesdienstraum deklariert wird.“

Von den Schwierigkeiten der Gestaltung des hochmittelalterlichen Fronleichnamsfestes in unserer Zeit, von den Änderungen der Theologie und Frömmigkeit und ihres Ausdrucks (Schaufrömmigkeit, Bekenntnis der Rechtgläubigkeit oder Prachtentfaltung), aber auch von den Desideraten handelt das Buch:

Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung |Verlag Friedrich Pustet |Regensburg 2006 | Kart., 160 S. Euro 17,95 | ISBN/EAN: 9783791719924

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