Apostel, Bischof und Jägermeister: Hubertus

Der Monat November weist nicht nur das Fest Allerheiligen auf, im Kalender des Monats stehen auch manche bis heute recht populäre Heilige, wie Martin von Tours (11. 11.), Elisabeth von Thüringen (19. 11.) oder Hubertus von Lüttich (3. 11.). Letzteren machte aber weniger seine Vita populär als vielmehr eine alte Legende, die auf ihn übertragen wurde:

Der heilige Hubertus, der im 7. und 8. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Belgien lebte, jagte der Legende nach an einem Karfreitag einen Hirschen – bis dieser stehenblieb, sich ihm zuwandte und Hubert zwischen dessen Geweihenden ein leuchtendes Kreuz erblickte. Dieses Ereignis, so erzählte man, habe die Umkehr des jungen Lebemannes und großen Jägers bewirkt. Aber das ist eine Legende, die wahrscheinlich ursprünglich zum hl. Eustachius gehört, einem Märtyrer des 2. Jahrhunderts und spät mit ihm bzw. Hubertus verbunden wurde.

Historisch wissen wir von Hubert, dass er aus vornehmer fränkischer Familie stammte und um 655 geboren wurde. Er war mit einer Tochter des Grafen von Löwen verheiratet und hatte einen Sohn. Nach dem Tod seiner Frau zog er sich in die Einsamkeit der Ardennen zurück, wirkte als Glaubensbote ebendort und in Brabant. Als Nachfolger des heiligen Lambert wurde er um 705 zum Bischof von Tongern-Maastricht geweiht. Später verlegte er den Bischofssitz nach Lüttich, wohin er auch die Gebeine Lamberts übertragen ließ. Hubert war tatkräftig und für die Menschen da, auch dadurch verbreitete er das Evangelium Jesu Christi. So trägt er den Beinamen „Apostel der Ardennen“.

Was aber ist ein Apostolat gegen eine Jagdgeschichte, auch wenn sie noch so sehr nach Jägerlatein riecht? Wegen seiner Jagden und seiner Begegnung mit dem kreuztragenden Hirsch wurde Hubertus zum Patron der Jäger und Forstarbeiter. Besondere Gottesdienste finden zu seiner Ehre statt, die sogenannten Hubertusmessen, die vor allem durch ihre musikalische Gestaltung mit Jagdhörnern bekannt sind. Hubertus wurde auch zum Namensgeber mancher Spezialitätengeschäfte (Wild) und vor allem Gasthäuser und Restaurants. Dass es (nicht nur) in diesen Anfang November Wild-Spezialitäten unter der Bezeichnung „Hubertusteller“ o. ä. gibt, ist klar.

Und hinterher gibt’s einen „Jägermeister“, der auch das Bild des Hirsches mit dem Kreuz im Geweih als Markenzeichen trägt – das erste Firmenlogo auf Fußballtrikots in der Fußball-Bundesliga übrigens: Am 24. März 1973 trat Eintracht Braunschweig mit dem frommen Hirsch auf der Brust anstelle des Braunschweiger Löwen an … Was damals ein große Debatte auslöste, ist heute gang und gäbe …

Apropos Bundesliga: Auch in einer anderen Liga spielt der später fromme Schütze mit, in der Spitzenliga der Heiligen: „Mehr als 80.000 Mitglieder zählen allein die Sankt-Hubertus-Schützenbruderschaften in Deutschland, schätzt der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Mehr Mitglieder vereinen unter dem Namen eines Heiligen nur die Sankt-Sebastianus-Schützen, das Kolpingwerk und die Sankt-Georgs-Pfadfinder; der Cäcilien-Verband als Dachverband der katholischen Kirchenchöre wird nicht mitgezählt, weil die Chöre in der Regel nach dem Patron ihrer Pfarrei benannt sind.“ So Thomas Jansen in seinem kurzweiligen und interessanten Artikel auf: https://www.katholisch.de/artikel/65-der-heilige-aus-dem-wald

Nur ein Schütze konnte das noch toppen, das war der ebenfalls jagdbegeisterte Adelige Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen – allerdings mehr als 1000 Jahre später. In dem von Gottfried August Bürger herausgegebenen Buch „Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande. Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen, wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde zu erzählen pflegte“ (1768) wird das Vorkommnis unter den „Jagdgeschichten“ erzählt; dabei erwähnt der erzählende „Lügenbaron“  auch den heiligen Hubertus, allerdings in eher kirchenkritischem Kontext:

Einst, als ich alle mein Blei verschossen hatte, stieß mir ganz wider mein Vermuten der stattlichste Hirsch von der Welt auf. Er blickte mir so mir nichts dir nichts ins Auge, als ob ers auswendig gewußt hätte, daß mein Beutel leer war. Augenblicklich lud ich indessen meine Flinte mit Pulver und darüberher eine ganze Handvoll Kirschsteine, wovon ich, so hurtig sich das tun ließ, das Fleisch abgezogen hatte. Und so gab ich ihm die volle Ladung mitten auf seine Stirn zwischen das Geweihe. Der Schuß betäubte ihn zwar – er taumelte –, machte sich aber doch aus dem Staube. Ein oder zwei Jahre darnach war ich in ebendemselben Walde auf der Jagd; und siehe, zum Vorschein kam ein stattlicher Hirsch, mit einem vollausgewachsenen Kirschbaume, mehr denn zehn Fuß hoch, zwischen seinem Geweihe. Mir fiel gleich mein voriges Abenteuer wieder ein; ich betrachtete den Hirsch als mein längst wohlerworbenes Eigentum und legte ihn mit einem Schusse zu Boden, wodurch ich denn auf einmal an Braten und Kirschtunke zugleich geriet. Denn der Baum hing reichlich voll Früchte, die ich in meinem ganzen Leben so delikat nicht gegessen hatte.

Wer kann nun wohl sagen, ob nicht irgendein passionierter heiliger Weidmann, ein jagdlustiger Abt oder Bischof, das Kreuz auf eine ähnliche Art durch einen Schuß auf St. Huberts Hirsch zwischen das Gehörne gepflanzt habe? Denn diese Herren waren ja von je und je wegen ihres Kreuz- und Hörnerpflanzens berühmt und sind es zum Teil noch bis auf den heutigen Tag …“

Immerhin kann man den Schädel mit Kirschbaum noch im Münchhausen-Museum in Bodenwerder besichtigen … ;-))

 

 

 

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