Christlich auf’kocht und teuflisch eing’schenkt

Renate Riedler-Singer
Christlich auf’kocht und teuflisch eing’schenkt
Herdagoras-Verlag, Klagenfurt 2017
Hardcover, 276 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen
28,00 Euro
ISBN 978-3-7086-0931-7

„Christlich auf’kocht und teuflisch eing’schenkt“: Was ist zu erwarten von einem Buch mit diesem Titel? Offensichtlich Humoriges, das auch auf dem Buchdeckel angekündigt wird, wenn auf die in dem Zusammenhang  üblichen „Herrgottsb’scheißerle“ und „Nonnenfürzchen“ und das “Jüngste Gericht“ hingewiesen wird, deren Rezepte im Buch aufgeführt werden – ebenso wie der „Kardinal“, den man nippen kann. Möglicherweise wurde dies von Verlagsseite veranlasst, denn der Autorin geht es eigentlich um etwas anderes und auch Seriöses. Renate Riedler-Singer ist Psychologin, Psychotherapeutin und Supervisorin. Ihre Liebe zur Küche hat die gebürtige Linzerin nach Verlagsangaben an einer Bundesfrauenoberschule noch vor ihrem Studium gefunden. Ihr Interesse gilt aber auch den Ritualen des (christlich geprägten) Jahres- und Lebenslaufes (vor allem in Österreich).

Die in diesem Buch vorgestellten Rezepte werden entlang des liturgischen Jahres aufgeführt, das in einzelnen Abschnitten mit seinen (kulinarisch relevanten) Inhalten, Festen und Bräuchen auch jeweils dargestellt wird. „Der liturgische Kalender bestimmte weitgehend die Feiertagskultur des Essens und Trinkens bis zum Ende der Monarchie“ (Vorwort). So geht denn auch der Blick in den Festzeiten-Beschreibungen meist zurück, als verschiedene kulinarische Besonderheiten noch einen Sitz im Leben hatten; heute dienen sie allenfalls als Erinnerung an damalige Bräuche oder wirken wie Kulturkuriositäten. (Auf der Zunge zergehen lassen darf man sich dabei den Satz: „Österreich war durch viele Jahrhunderte ein christlich geprägtes Land, bis die konfessionelle Einheitlichkeit des Katholizismus durch die Reformation Erschütterung erfuhr, sodass … weite Teile unseres jetzigen Staatsgebietes protestantisch wurden.“) Deplaziert erscheinen im Zusammenhang christlicher Mahlbräuche Speisen und Getränke, die nur durch einen kuriosen Namen wie „Pfaffenwürger“, „Frommes Linsengericht“ oder „Roter Teufel“ die Assoziation an religiöse Hintergründe liefern.

Das tut den meisten Rezepten dieses Kochbuches keinen Abbruch; sie machen – auch durch die gelungene Ins-Bild-Setzung durch den Ehemann der Autorin – Appetit und können eine wunderbare Abwechslung in einem heutigen Speiseplan sein. Interessant beispielsweise die „Paulaner Würste“, die aus Fisch-Farce bestehen – gewissermaßen ein Vorläufer heutiger vegetarischer Würste. Sie gab es in den strengen Klöstern des Paulanerordens, der sich auf Franz von Paola zurückführt. Die Festtags-Gerichte etwa auch an den Kirchweih- oder besonderen Heiligentagen zeigen allein an den Zutaten (wie bei der aufgeführten „Festlichen Kirchtagssuppe“, wie man früher zwischen Fest und Alltag auch kulinarisch unterschieden hat. Viele Feste fanden auch eine Art Fortführung des Festinhalts auf dem Esstisch – an Ostern etwa durch das Osterlamm, an Christi Himmelfahrt durch „fliegendes Fleisch“ (Hendeln) und an Pfingsten natürlich durch gefüllte gebackene Tauben…

Die Hinführungen zu den jeweilige Abschnitten sind lesenwert, informativ und gut recherchiert. Sie haben ihren Schwerpunkt auf dem früheren Brauchtum – auf heutiges Erleben und Feiern der Feste und Festzeiten wird wenig bis gar nicht eingegangen. Das ist nicht nur schade, weil die Autorin sicher dazu auch fähig gewesen wäre, sondern weil die zahlreichen vorgestellten Speisen (und Getränke) nicht wiedergeben, was christliches Essen und Trinken heute eigentlich ausmacht. So bleibt das Buch ein Beitrag zum kulinarischen Brauchtum.

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