Ostern und Frühstück

Mit keinem anderen Fest wird das Frühstück so sehr in Verbindung gebracht wie mit Ostern. Familienzeitschriften und kulinarische Journale bereiten ihre Leser schon Wochen vorher darauf vor, wie sie ihren Lieben ein unvergleichliches Osterfrühstück bereiten können, evtl. auch als spätvormittäglichen Brunch. Selbst ALDI gibt Ratschläge und erklärt das Osterfest.

Der Zusammenhang Ostern – Frühstück und die Bedeutung des letzteren erschließt sich aus dem alten Ende der Fastenzeit mit der Feier der Osternacht bzw. des Ostertages. Das war früher noch ausgeprägter: „Den geistlichen Freuden dieses Tages sollten dann alsbald auch die weltlichen Genüsse folgen, bei denen Geweihtes und Ungeweihtes gleichermaßen eine Rolle spielten – zum Beispiel nach der Rückkehr aus der Kirche beim Osterfrühstück. Da wurde der Tisch feierlicher gedeckt als sonst, und manchen älteren Leuten läuft noch heute das Wasser im Mund zusammen, wenn sie an das Festtagsfrühstück ihrer Kindheit denken.“

Auch die Segnung der Speisen hatte ursprünglich die Beendigung des Fastens im Blick. Allerdings ist durch die weitgehende Aufhebung der strengen Fastenregeln dieser ursprüngliche Sinn der Speisensegnung auch verlorengegangen; sie wird daher umgedeutet als Ausdruck der österlichen Freude, die sich auch im Mahl mitteilt. Daher heißt es im Benediktionale, dass sich das Mahl des Auferstandenen in den Häusern der Gläubigen „gleichsam als Agape“ fortsetzen möge – etwa auch beim Frühstück.

Doch es gibt noch mehr Zusammenhänge als nur Ostern: Nicht nur nach den Roratemessen wird in manchen Gemeinden zusammen gefrühstückt, gern werden auch „Frühschichten mit Frühstück“ angeboten. Es gibt sogar Formen, in denen Gottesdienst und Frühstück verbunden sind wie „Gebetsfrühstück“ (z. B. im Deutschen Bundestag) oder „Semmelandachten“ (in Hochschulgemeinden). In manchen evangelischen und freikirchlichen Gemeinden gibt es eigene Frühstücksgottesdienste – ja es wird manchmal sogar, wie bei der Heilsarmee, sonntags zuerst Kaffee und etwas zu essen angeboten und dann gemeinsam gebetet – man hat hier Menschen im Blick, denen oft das Nötigste fehlt.

All diese und andere Formen des Zusammenhangs von Gottesdienst und Frühstück werden in einem neuen Buch des Wissenschaftsforums Kulinaristik beschrieben, der sich aus den Blickwinkeln verschiedener Fächer und Regionen den vielfältigen Facetten – von der Geschichte bis zur Kunst – der frühen Mahlzeit des Tages widmet. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt die Bandbreite der behandelten Aspekte des Frühstücks:

http://www.iudicium.de/katalog/550-0_Inhalt.pdf

Alois Wierlacher (Hg.), Kulinaristik des Frühstücks.  Breakfast Across Cultures. Analysen – Theorien – Perspektiven, Judicium Verlag München 2018, kart., 437 S., Euro 64.- ISBN 978-3-86205-550-0

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