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„O admirabile commercium … – O wunderbarer Tausch!”

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Das Kirchenjahr im Schaufenster (7)

Kaum jemand, der den weihnachtlichen Rummel nicht beklagt, vor allem die Veräußerlichung des Festes, die sich auch, aber nicht nur, im Kommerz ausdrückt. Wirtschaft und Handel – die Übersetzung des lateinischen Wortes „commercium“ – sind seit längerem mit dem Weihnachtsfest eng verbunden, ja, sie scheinen heute, wenn man den Wirtschaftsnachrichten in den Tagen und Wochen bis Weihnachten glaubt, nachgerade das Wohl oder Wehe dieses Festes zu verantworten. Einen Großteil des commerciums macht dabei das Geschäft mit den Geschenken aus – das ist zwar nicht ursprünglich mit Weihnachten verbunden, aber doch auch schon seit geraumer Zeit und aus unterschiedlichen Gründen.

Es wäre allerdings nicht richtig, wollte man den Kommerz rund um Weihnachten nur äußerlich und wirtschaftlich und damit kritisch betrachten. Denn der Handel und Austausch spielt auch in der inhaltlichen Bedeutung dieses Festes eine Rolle, ja wird sogar besungen.

Christus als Kaufmann

Wie andere große Feste auch, erhielt das Weihnachtsfest im Laufe der Zeit eine Oktav, das heißt eine Feier über acht Tage hinweg. Der Oktavtag, genau eine Woche nach dem Fest, am 1. Januar, war und ist dabei herausgehoben. Zu den Texten des Stundengebets an diesem Tag zählt auch eine Antiphon (Kehrvers), die bis heute im kirchlichen Morgengebet, gesungen wird: „O admirabile commercium …“ – „O wunderbarer Tausch! Der den Menschen erschuf, nimmt menschliches Leben an und wird aus der Jungfrau geboren. Von keinem Mann gezeugt, kommt er in die Welt und schenkt uns sein göttliches Leben.“

Der Tausch, der hier angesprochen wird, steht für das paradoxe Erlösungsgeschehens, das letztlich die Bedeutung des Leidens und Sterbens Jesu ausmacht: Jesus stirbt unseren Tod und erwirbt uns damit sein ewiges Leben. Diese Wechselseitigkeit, dieser Austausch: Gott wird Mensch, damit der Mensch Göttlichkeit empfängt, kommt auch in einer Predigt Leos des Großen vor (sermo 54,4) – sie wiederum verrät Kenntnis eines Abschnitts aus den Psalmenerklärungen des Augustinus (En in Ps 30/II,3), in dem dieser das Bild Jesu als eines himmlischen Kaufmanns entwickelt hat …

„Das mag ein Wechsel sein!“

Und auch in einem bekannten Weihnachtslied hat sich dieser Gedanke niedergeschlagen; im Lied „Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“ von Nicolaus Herman wird eben dieser Wechsel und Austausch besungen. Ursprünglich hat das Lied acht Strophen; sechs davon stehen noch heute im Evangelischen Gesangbuch, nur noch vier in der Fassung des Gotteslobes – unverständlicherweise, denn gerade die fortgelassenen Strophen entwickeln das Bild des weihnachtlichen Commerciums:

Er wechselt mit uns wunderlich:
Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in sein's Vater Reich
die klare Gottheit dran,
die klare Gottheit dran

Er wird ein Knecht und ich ein Herr,
das mag ein Wechsel sein!
Wie könnt' es doch sein freundlicher,
das herze Jesulein,
das herze Jesulein.

 

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