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Christi Himmelfahrt – Outdoor-Fest

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Das Kirchenjahr im Schaufenster (16)

Bitt-Prozessionen

An den Tagen vor Christi Himmelfahrt finden in vielen Gemeinden immer noch sogenannte Bittprozessionen statt. Sie haben ihren Ursprung wahrscheinlich in Gallien, wo Bischof Mammertus von Vienne sie im 5. Jahrhundert wegen besonderer Heimsuchungen, vor allem Missernten, an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt anordnete.

Unabhängig davon fanden (und finden) auch am Himmelfahrtsfest selbst bis heute (vor allem im Süden Deutschlands) vielerorts Flurprozessionen statt, die ebenfalls auf den Segen der Felder hin ausgerichtet war und deshalb Namen wie „Hagelprozession“, „Öschprozession“ tragen (Ösch, Esch ist eine Gemarkung). In manchen Gegenden fand (und findet) eine Prozession („Schauerprozession“, „Schauergang“) auch am Tag nach Himmelfahrt statt, am sogenannten „Schauerfreitag“, der u. U. eine ganze Bittwoche beendete. Insgesamt also waren (und sind es teilweise noch) die Tage um Christi Himmelfahrt eine Zeit der „Bewegung“ und des Unterwegsseins.

Gegenstück zu den Prozessionen

Von daher sind Wanderungen oder Kurzreisen an diesen Tagen phänomenologisch nicht Neues, auch wenn sie allen geistlichen Bezuges entkleidet erscheinen. Vielleicht waren sie ursprünglich auch eine Art „Gegenstück“ zu den volksfrommen Formen: Statt der Flurprozessionen machte man früher an Christi Himmelfahrt oft Ausflüge in die Natur. Dabei wanderte man – wegen des Festinhaltes – auf Berge und Hügel. Vor allem in protestantischen Gegenden war dies der Fall. Ein anderer möglicher Ursprung der heutigen Lust am Unterwegssein an eben diesem Tag wird auch im Festinhalt selbst vermutet: Der Herr führt seine Jünger hinaus zum Ölberg, was teilweise auch liturgisch nachvollzogen wurde. Beides, Gottesdienste im Freien wie auch auf Bergen, hat sich bis heute erhalten.

Vom Herrenfest zur „Herrenpartie“

Wie auch immer: Diese Flurumgänge oder „Apostelprozessionen“ überlebten teilweise in sehr säkularisierter Form als „Herrenpartien“ oder „Schinkentouren“: In Berlin war es im 19. Jahrhundert üblich, dass Ausflugsfahrten mit Pferdefuhrwerken in die Umgebung der Stadt organisiert wurden. Diese Berliner „Herrenpartien“, bei der die Männer hauptsächliche Wirthäuser aufsuchten, wanderten, Skat spielten oder kegelten, wurden zum Vorbild der Vatertagsfeiern. In Amerika wurde die Begehung eines besonderen Tages für die Väter am 3. Sonntag im Juni bereits von den Präsidenten Wilson (1916) und Cooligde (1924) empfohlen. Der „Vatertag“ am Himmelfahrtstag ist 1936 in Holland aufgekommen und dort insbesondere von den Zigarrenfabrikanten und Metzgern propagiert worden.

Ein kirchlicher „Vatertag“

Dass auch der kirchliche Himmelfahrtstag eine „Vatertagsfeier“ ist, stellen manchen Prediger im Gottesdienst heraus: Denn die Himmelfahrt Christi meint nichts anderes als die mit seiner Auferstehung verbundenen Rückkehr zu Gott, seinem Vater, von dem er seinen Ausgang nahm.

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