Projekte aus dem Bereich „Liturgie und Alltag“

Projekte (in Zusammenhang mit Seminaren an der Universität Würzburg), in denen es um die Zusammenhänge von Liturgie und Alltag ging oder geht:

 

Heiligabend

Die Feier des Heiligen Abends ist ursprünglich gottesdienstlich geprägt – von einer familiären Andacht im evangelischen Bereich, aber auch von Gebets- und Andachtsformen als adventlicher Ausdruck des Wartens bis zur mitternächtlichen Christmette katholischerseits. Inwieweit diese religiösen Zusammenhänge heute noch zum Tragen kommen bzw. wie Menschen heute ihre Feier des Heiligenabends gestalten, war die Fragestellung eines Seminars an der Universität Würzburg im Jahr 2000/01. Dazu wurde auch eine Fragebogen erstellt, dessen Antworten mit in die Publikation einflossen:

Heiligabend. Riten – Räume – Requisiten (Liturgie & Alltag), Regensburg 2002.

2017 wurde für eine vereinfachte Neuauflage des Buches der Fragebogen noch einmal veröffentlich und erhielt wieder zahlreiche Zuschriften, die in das Buch eingeflossen sind:

Heiligabend. Ein Fest und seine Rituale, Kevelaer/Regensburg 2017.

 

Fronleichnam

An Fronleichnam, dem katholischen Hochfest des Leibes und Blutes Christi, geht der Gottesdienst auf die Straße und die Liturgie in den Alltag. Das aus dem Eucharistievertsändnis des Mittelalters erwachsene Fest bereitet heute nicht wenigen Menschen Schwierigkeiten, weil sich viele Aspekte dieses Festes auch theologisch grundlegend geändert haben. Auch die antireformatorische Ausprägung, die das Fest in der Barockzeit erhielt, ist heute vielfach obsolet, weil sogar mancherorts evangelische Christen sich der Prozession anschließen und sich öffentlich zum christlichen Glauben bekennen. Dies kam auch zum Ausdruck in vielen Antworten auf eine Umfrage, die zu diesem Fest über Liturgie konkret gemacht wurde.

Das Projekt ist abgeschlossen; vgl. dazu das Buch

Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung (Reihe Liturgie & Alltag), Regensburg 2006.

 

Wochenende

Das „Wochenende“ ist eine noch relativ junge Zeiteinheit, die aber in unserer Gesellschaft bei vielen Menschen einen hohen Stellenwert besitzt. Zumeist wird unter Wochenende der Zeitraum von Freitagnachmittag bis Sonntagabend verstanden. Zentrum ist der Samstag, der Samstagabend wiederum ist gefühlsmäßiger Höhepunkt. Auch in der christlichen Tradition spielen die Tage Freitag bis Sonntag eine große Rolle, allerdings werden sie auf verschiedene Weise durch das  Wochenende beeinträchtigt. So ist auch bei vielen Christen der Sonntag Erlebnis- und gefühlsmäßig nicht der „Erste Tag der Woche“, der er in der christlichen Tradition ist, sondern der letzte, an dem man sich wieder auf die neue Arbeitswoche vorbereitet. Es gibt allerdings auch viele neue Gottesdienstformen, die teilweise bewusst auf das neue Erleben dieser drei Tage reagieren. Auch durch neue Gottesdienstzeiten versucht man in manchen gemeinden, darauf Rücksicht zu nehmen. Dies wurde auch deutlich durch die Antworten auf einen Fragebogen, der über „Liturgie konkret“ an tausende Gemeinden ging.

Das Projekt ist abgeschlossen. Vgl, dazu das Buch

Wochenende und Gottesdienst. Zwischen kirchlicher Tradition und heutigem Zeiterleben (Reihe Liturgie & Alltag), Regensburg 2008. – Das Buch wurde auch ins Polnische übesetzt.

 

Gastlichkeit

Ein Symposion des „Kulinaristik-Forums“ zum Thema „Gastlichkeit“ gab den Anlass, dem Thema der gottesdienstlichen Gastlichkeit einmal näher nachzuspüren. Das lässt nicht nur nach den äußeren Umständen fragen, unter denen Liturgie gefeiert wird, sondern auch nach den theologischen Aspekten: Wer ist wessen Gast? Auch zu diesem Thema gab es einen Fragebogen, der über „Liturgie konkret“ an die Gemeinden ging. Er enthielt auch Fragen, die man als Gemeinde – etwa im Rahmen einer Sitzung des Liturgieausschusses – sich selbst stellen kann: Wie gastlich sind wir eigentlich?

Das Projekt ist abgeschlossen; vgl, dazu

Gastlichkeit. Ihre Theologie, Spiritualität und Praxis im Gottesdienst (Reihe Liturgie & Alltag), Regensburg 2012.

 

Ma(h)l anders

Es gibt den Auftrag Jesu: “Esst, trinkt, tut das zu meinem Gedächtnis.” Der Exeget Franz Mußner schreibt in seinem Buch zum Epheserbrief: “Das Wesen des Christentums ist synesthiein (miteinander essen).” Die Vergegenwärtigung der Mahlgemeinschaft Jesu ist auf verschiedene Weise im Christentum verwirklicht, auf sakramentale Weise in den verschiedenen Formen der Eucharistie/des Abendmahls – aber auch außerhalb des Gottesdienstes im Alltag, wo das gemeinsame Essen und Trinken als christliches Erkennungszeichen verstanden wird. In den einzelnen Kirchen spielt die sakramentale Umsetzung des Wortes Jesu bzw. das gottesdienstlich geprägte Mahlhalten eine sehr unterschiedliche Rolle. Von der Eucharistie über Feiern des Abendmahls im Rahmen eines Frühstücks oder Abendessens, Agapemähler, Feiern wie “brunch & pray” bis hin zur “Semmel-Andacht” und Gottesdiensten in Bäckereien, Cafés und Restaurants reicht die Palette der oft sehr phantasievollen Formen, in denen eine gottesdienstlichen Feier mit einem gemeinsamen Essen verbunden ist.

Unterstützt wurde dieses Projekt vom Verein „Andere Zeiten e. V., Hamburg“. Das Projekt ist abgeschlossen – vgl. dazu das Buch: Ma(h)l anders. Essen und Trinken in Gottesdienst und Kirchenraum.

 

Schlechtes Benehmen in der Kirche und im Gottesdienst

Rauchen, essen, tumultieren – als Johann Gottlieb Fichte Professor in Jena war, beschwerte er sich über das Benehmen der Studenten im akademischen Gottesdienst arg: Sie knackten Nüsse, aßen Äpfel, rauchten Tabak und vertrieben sich die Zeit so gut sie konnten. Für heutige Zeit fast unvorstellbar, aber bis in nicht allzu lang zurückliegende Zeit gab schlechtes Benehmen wie „Tumultieren und Geräuschtreiben“ in Gottesdiensten und Kirchen immer wieder Anlass zu Klagen und Strafen. Auch heute müssen noch vielerorts Kirchenbesucher darauf hingewiesen werden, was dem heiligen Raum nicht angemessen ist: Hunde, Eisschlecken, Handys, unpassende Bekleidung … Es gibt freilich durchaus Unterschiede: In katholischen Gottesdiensten und Kirchen ist das Essen und Trinken nicht erlaubt; in evangelischen Kirchen hingegeben wird bisweilen sogar das Abendmahl im Rahmen eines Frühstücks oder Abendessens an Tischen in der Kirchen gefeiert. Tiere, besonderes Hunde, waren bei Gottesdiensten in früheren Jahrhunderten nicht selten anzutreffen – und das Rauchen ist bei den „Jesus-Freaks“ (aus Gründen der Gastlichkeit) in einer Ecke des Gottesdienstraumes sogar ausdrücklich erlaubt …

Welches Benehmen gilt dem Gottesdienst und seinem Raum als unangemessen? Welche situativen, zeitlichen und konfessionellen Unterschiede gibt es? vgl. dazu den eigenen Beitrag: Rauchen, essen, tumultieren.

 

Das Kirchenjahr im Schaufenster 

Das Kirchenjahr hat auch eine wirtschaftliche Seite, die nicht erst seit heute aufscheint. Gerade die großen Fest hatten mit ihren Messen und Märkten auch eine wichtige Funktion in der Geschäftswelt. Werbeanzeigen, die auf kirchliche Anlässe Bezug nehmen, gibt es seit über hundert Jahren. Wie stellt sich aber in diesen Anzeigen das Kirchenjahr dar? Welche kirchlichen Assoziationen lassen sich dem Leser der Zeitungen und Betrachter der Schaufenster heute noch zumuten? Und was sagt das über die Einschätzung der kirchlichen Feste und Festzeiten in der Öffentlichkeit aus?

Dazu gibt es auf dieser website verschiedene Beiträge unter Das Kirchenjahr im Schaufenster.

 

Das könnte dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.