Schwätzen, Spucken, Schlafen – schlechtes Benehmen in der Kirche

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Ein junger Mann fällt während der Predigt in Schlaf und aus dem Fenster, in dem er saß. Zum Glück ohne schlimme Folgen. Doch diese Episode, von der die Apostelgeschichte des Neuen Testaments berichtet, ist der erste Fall von „Predigtschlaf“. Der wurde im Laufe des Jahrhunderte genauso gerügt wie andere Formen unangemessenen Verhaltens und schlechten Benehmens im Gottesdienst: zu spätes Kommen und vorzeitiges Gehen, lautes Schwätzen, das Tragen zu freizügiger Kleidung, das Rauchen, Tabakkauen und Ausspucken, das Mitbringen von Tieren und vieles andere mehr.

Immer wieder mussten die Gläubigen ermahnt werden, wurden Anweisungen gegeben und Strafen erteilt, weil sie sich nicht dem Ort und der Feier gemäß verhielten, Geschäfte in der Kirche tätigten, betrunken waren, andere in ihrer Andacht störten. Wurde das Benehmen früher in Verordnungen, Predigten, Katechismen oder auch im Beichtspiegel thematisiert, so geben heute Piktogramme und Aushänge im Kirchenraum einen Hinweis darauf, wie man sich verhalten soll – dazu inzwischen zahlreiche „Kirchen-Knigge“ in Zeitungen und im Internet.

Doch woher rührt schlechtes Benehmen im Gottesdienst, das sich keineswegs nur „im Volk“, sondern auch gelegentlich bei den liturgischen Diensten findet? Es sind unterschiedliche Gründe – hauptsächlich aber spiegelt sich darin eine innere Distanz zum Gottesdienst. Menschen gingen und gehen nicht immer aus eigenem Antrieb und Bedürfnis zur Kirche, mitunter war der „Gottesdienstbesuch“ auch einer sozialen Kontrolle ausgesetzt oder – wie etwa bei Schülergottesdiensten – angeordnet. Auch der Gottesdienst selbst spielte auf katholischer Seite eine Rolle, wurde er doch bis Mitte des letzten Jahrhunderts mit dem Rücken zum Volk zelebriert, in lateinischer Sprache. Auch Kirchenräume mit ihren Nischen, Säulen und Emporen boten Anlass zu nicht angemessenem Verhalten; überhaupt spielten große Kirchen früher als Orte auch der Kommunikation für die Menschen eine wichtige Rolle.

Neben den Hinweisen, die es auch früher zum Verhalten im Gottesdienst gab, achteten verschiedene Dienste auf deren Einhaltung: vom Diakon angefangen über die Küster und „Kirchenschweizer“ in den großen Kirchen bis hin sogar zu eigens abgestellten Beamten und sogar der Polizei … Doch vor allem waren es die Gläubigen selbst, die immer wieder auch aufgefordert wurden, auf das Benehmen anderer zu achten und gegebenenfalls einzugreifen. Das ist nicht immer einfach und braucht den rechten Ton.

Da heute vielfach ein äußerer Druck, zum Gottesdienst zu gehen, weggefallen ist, wird man manche Formen unangemessenen Benehmens, die es früher gab, heute nicht mehr finden. Dafür andere. Die Unsitte etwa, auch während der liturgischen Feier auf das Handy oder Smartphone zu schielen, die „angewachsene Wasserflasche“ auch in die Kirche mitzunehmen und daraus zu trinken und anderes.

Vor allem sind Kirchen für viele Menschen heute nicht so sehr Orte des gelebten Glaubens, sondern Kulturstätten, die man mal eben besichtigen kann. „Kirchenräume werden nicht mehr erfahren als Orte der göttlichen Gegenwart, die ein entsprechendes Handeln und Verhalten der Menschen einfordert“, heißt es auch in einer Schrift der deutschen Bischöfe über kirchliche Räume als Orte der Stille.

Große Kirchen haben deswegen auch Ordnungsdienste, die nicht nur Auskunft geben, sondern auch auf ein angemessenes Verhalten und Einhalten bestimmter Regeln achten, damit Gottesdiensträume zuallererst Räume des Gebets bleiben, in denen die Gegenwart Gottes erfahren wird.

Das Buch, entstanden aus einem Projekt des „Instituts für Liturgie- und Alltagskultur“ und Veranstaltungen zum Thema an der Universität Würzburg, geht den verschiedenen Phänomenen und ihren Hintergründen nach und unternimmt einen launig-informativen Streifzug durch eine 2000-jährige Geschichte schlechten Benehmens in der Kirche.

Guido Fuchs, Kleine Geschichte des schlechten Benehmens in der Kirche (= Reihe Liturgie und Alltag), 184 S., kart., Euro 19,95 Verlag Friedrich Pustet, ISBN 978-3-7917-3246-6

 

 

 

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