Günter Wiegelmann | Alltags- und Festspeisen in Mitteleuropa

Alltags- und Festspeisen in Mitteleuropa
Innovationen, Strukturen und Regionen vom späten Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert

(Münsteraner Schriften zur Volkskunde/Europäische Ethnologie 11)
2. erw. Aufl., Verlag Waxmann Münster u.a. 2006
360 S., brosch., 26 Karten
54,00 Euro
ISBN 3-8309-1468-7

Die erste Auflage dieses Stadardwerkes erschien im unruhigen Hochschuljahr 1968, was dessen Rezeption vielleicht nicht behinderte, aber auch nicht gerade erleichterte. Über die Jahrzehnte hinweg war diese Darstellung von kulturräumlichen und historische-volkskundlichern Zusammenhängen in Bezug auf die Nahrungsgewohnheiten auch wegen ihrer Methodik aber so wichtig geworden, dass sie aus manchen Bibliotheken auch entwendet wurde und somit einfach fehlte. So entschloss man sich nach fast vierzig Jahren zu einer zweiten erweiterten Auflage. Das zeigt schon, welche Bedeutung Günther Wiegelmanns Werk hat. Vor allem aber ist es wissenschaftlich breit rezipiert worden und hat sogar die japanische Volkskunde beeinflusst.Ziel dieser Arbeit ist es, den Wandel der Nahrungsgewohnheiten vom Ausgang des Mittelalters bis in das 20. Jahrhundert hinein und die Vielzahl der daran beteiligten Faktoren darzustellen. So werden nur einige wenige Speisen und Getränke ausgewählt (Kartoffel, Hirse, Kaffee, Serviettenkloß; Fleischspeisen wie Schnitzel, Gulasch und Kotelett), die auf den ersten Blick seltsam erscheinen, die aber für die Darstellung der verschiedenen Aspekte des Wandels äußerst instruktiv sind. Zu den stabilisierenden Momenten im Zuge der Wandelbarkeit von Ernährungsgewohnheiten gehört u. a. auch die Brauch- und Glaubensbindung vieler Speisen. Während Alltagsspeisen oft der „Routine“ unterliegen, der Beibehaltung des Gewohnten und des (von früher und von zuhause her) Bekannten, konzentrieren sich Brauch- und Glaubensbindung häufig auf festliche Speisen. Sie bedeuten auch für die Überlieferung eine feste Stütze. Wobei die Tradition nicht in der grundsätzlichen Beibehaltung des Überlieferten besteht, sondern in Einzelheiten (Zubereitung oder Grundnahrungsmittel) durchaus variiert werden kann.In der aktualisierten Ausgabe seiner Untersuchung hat Wiegelmann die seither erschienene Literatur, soweit sie zu seinen Thesen und Ergebnissen explizit Stellung nimmt, noch einmal kritisch gesichtet und ergänzt. Hilfreich zur Seite stand ihm dabei die Münsteraner Privatdozentin Barbara Krug-Richter, die ebenfalls mehrfach zu Fragen von Fasten und Festen geprägten Nahrungsgewohnheiten in der Vergangenheit beschäftigt hat. Ein Verzeichnis der Literatur von 1967–2005 sowie einem Kartenanhang ergänzen das Buch.

Das könnte dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.