Judith Hartenstein / Silke Petersen / Angela Standhartinger (Hgg.) | „Eine gewöhnliche und harmlose Speise“? Von den Entwicklungen frühchristlicher Abendmahlstraditionen

Judith Hartenstein / Silke Petersen / Angela Standhartinger (Hgg.)
„Eine gewöhnliche und harmlose Speise“?
Von den Entwicklungen frühchristlicher Abendmahlstraditionen

Kart., 368 S., EURO 39,95
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008
ISBN 978-3-579-08027-7

Der ungewöhnliche Titel dieses Buchs entstammt dem Brief des Statthalters Plinius an den römischen Kaiser Trajan, in welchem er über die Verhöre von Christinnen und Christen berichtet. Unter anderem gehöre zu ihren Gebräuchen, (wohl am Abend) zusammenzukommen, Speise zu sich zu nehmen, jedoch gewöhnliche und harmlose Speise. Schon seit ältester Zeit sah sich die Feier der Eucharistie dem Verdacht und den Vorurteilen der Menschen ausgesetzt. Die Mahlfeier ist der Ort und die Form, an dem und in der sich christliche Identität konstituiert und gelebt, aber auch in Frage gestellt und kritisiert wird.

Auch die gegenwärtige Feier des Abendmahls/der Eucharistie sieht sich verschiedenen Fragen und der Kritik ausgesetzt. Vor allem die feministische Theologie bemüht sich um Erweiterung und Neuinterpretation des Mahles auch in seiner sinnlichen Komponente, die auch als Besonderheit gegenüber dem ansonsten sehr verkopften Gottesdienst erfahren wird – oder eben nicht. So stellen auch die Autorinnen dieses Bandes, evangelische und katholische Theologinnen, vor dem Hintergrund der antiken Mahlfeiern, der biblischen und frühchristlichen Abendmahlstradition sowie ihren Kontexten und ihrer Wirkungsgeschichte Anfragen an die gegenwärtige Eucharistie- und Abendmahlspraxis.

Es können hier aus Platzgründen nur einzelne Beiträge und Aspekte herausgehoben werden, so die Frage nach dem „Dienen“ (Lk 22,27) im Zusammenhang des Mahles und des Gemeindethos. Dieser Blick ist interessant, denn gerade vor dem Hintergrund der Bedeutung der Einsetzungsworte und der Wandlung wird dem Aspekt des Dienstes auch bei der Spendung (also beim Mahl) zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Ein anderer Beitrag widmet sich dem anstößigen Wort vom „Essen zum Gericht“, das sich auch noch in Abendmahlsliturgien bis heute findet. Es geht dabei auch um die Ausgrenzung von körperlich und seelisch Kranken von der Feier des Abendmahls. Ein Beitrag beschäftigt sich mit „Jesus zum Kauen“ – die anstößige Rede Jesu bildet eine Interpretation des Letzten Abendmahls, das Johannes in seinem Evangelium ja unter dem Aspekt der Fußwaschung beschreibt. Einige Beiträge fragen auch nach der Wirkungsgeschichte der Abendmahlsberichte in der frühchristlichen Literatur und den bildenden Kunst. – Ein interessanter und beeindruckender Band.

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