Heribert Stettberger | Mahlmetaphorik im Evangelium des Lukas

Heribert Stettberger
Mahlmetaphorik im Evangelium des Lukas
Eine gattungskritische Untersuchung zur didaktischen Konzeption

(Theologie 71)
LIT-Verlag, Münster 2005,
216 S., brosch., 19,90 Euro
ISBN 3-8258-8137-7

Das dritte Evangelium ist dasjenige, in dem das Mahl die größte Rolle spielt. Neben dem letzten Abendmahl beschriebt Lukas neun ausdrückliche Mahlsituationen, in den Jesus mit den Menschen gegessen und getrunken hat. Willibald Bösen, der sich ausführlich mit diesem Mahlhalten Jesu bei Lukas beschäftigt hat, konnte sagen: „Was für Johannes die Taufe, war für Jesus das Mahl“ – so sehr, dass ihm sogar der Vorwurf eines Fresser und Säufers gemacht wurde (Lk 7,34). Jesus lehrt nicht nur beim Mahl, er benutzt die Mahlsituation zur Darlegung seiner Lehre, er nimmt das Mahl als Bild für das von ihm verkündete Reich Gottes.

Doch Lukas verwendet in seinem Evangelium das Mahl nicht nur im Vergleich wie Markus und Matthäus, die sprachliche Präsentation des Mahlgedankens ist bei ihm durch die Metapher quantitativ und qualitativ besonders ausgeprägt. Er kann dabei auch auf die Tradition zurückgreifen; vor allem die rabbinische Theologie kennt zahlreiche Mahlmetaphern, in den mit einem Mahl Freude, Glück, Zufriedenheit und Seligkeit assoziiert wird. Daneben kann Lukas auf eine die griechisch-hellenistische Überlieferung zurückgreifen kann, wo die Mahlthematik in der Symposientradition steht und für den antiken Hörer ein nachfolgende häufig philosophische Erörterung erwarten lässt. Warum aber setzt Lukas nun für seine Botschaft bevorzugt Mahlmetaphern und -motive ein? Er will die Botschaft Jesu adäquat transferieren können. Über diese Mahlmetaphern führt er die Kontinuität zwischen der Zeit des historischen Jesus, der Zeit der Kirche und der Endzeit in der Königsherrschaft Gottes vor Augen: „Die Leitmetaphern Die Gemeinschaft mit Gott ist ein Mahl und Das Königtum Gottes ist ein Mahl kulminieren dabei gewissermaßen in der soteriologischen Dimension des eucharistischen Mahles, nämlich in der überzeitlichen Wurzelmetapher Jesus ist das Mahl schlechthin für die Menschen.“

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