Wolfgang Protzner / Philipp Stanik | Für dies und das – deo gratias.

Wolfgang Protzner / Philipp Stanik
Für dies und das – deo gratias.
Tischgebete aus Franken

64 S. mit zahlreichen s/w-Illlutrationen, geb.,
Echter-Verlag
Würzburg 2007
ISBN 978-3-429-02914-2
EUR [D] 6,00

Ein interessantes und zugleich merkwürdiges Büchlein, das von den zahlreichen anderen Tischgebetbüchern, die es auf dem Markt gibt, abweicht. Zwar enthält es auch ca. 80 Gebete vor und nach dem Essen, doch im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen sind die Texte, die in diesem Büchlein stehen, sehr disparat: Von ausführlichen Gebeten reicht der Bogen zum Einzeiler (der auch als Titel verwendet wurde); neben theologisch tiefen Formulierungen, die das Mahl deuten, stehen (fränkische) „Sprüch“, die eher unheilig sind und mit dem Essen gar nichts zu tun haben („O Gott, von dem wir alles haben, wir danken dir für Franken, Bayern, Sudeten und auch Schwaben“) oder manchmal auch nur doof und auch keine Gebete sind („Jeder esse so viel er kann, nur nicht seinen Nebenmann. Amen“). Der Grund dafür liegt in der Entstehungsgeschichte: Für ein „Projektseminar“ (wohl zum Thema Tischgebet an der Universität Bamberg) wurden Gebete gesammelt, die, nach einem Aufruf in den fränkischen Zeitungen, von vielen Zusendern auch kamen – interessanterweise hauptsächlich älteren Personen. Das zeigt einerseits den Rückgang des Tischgebetes als religiöses Ausdrucksmittel beim Essen, andererseits auch die Bedeutung, die solche religiösen Rituale im Zusammenhang mit Kindern haben; sie verlieren ihre Bedeutung, wenn Kinder aus dem Haus sind. Aus eigener Erfahrung mit diesem Thema weiß ich, dass viele Menschen darüber sprechen, „wie es früher bei uns gemacht wurde“. – Bemerkenswert ist die Darstellung der Bedeutung und Geschichte des Tischgebetes, das der Gebetssammlung vorangestellt ist; eine solch knappe und doch solide Beschreibung findet man nicht einmal in theologischen Büchern. Das macht dieses Büchlein sehr interessant; die Sammlung der Tischgebete kann (und soll wohl) allenfalls als Dokumentation gelten.

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