Verkündigung mit Hand und Mund – Klemensweckerl am 15. März

Ein Mann mit recht unheiligen Eigenschaften, aber auch einer, der um sie wusste. Über sein aufbrausendes Wesen meinte Klemens Maria Hofbauer einmal: „Das ist mein Fehler, aber ich danke Gott, dass ich ihn habe, denn hätte ich ihn nicht, wäre ich versucht, mir selbst die Hand zu küssen aus Respekt vor mir.“ Nicht nur das macht ihn sympathisch.

Johannes Dvorak (Hofbauer) stammte aus Tasswitz bei Znaim in Südmähren, wo er 1751 geboren wurde. Auf Umwegen kam er zum Priesterberuf; er war eigentlich gelernter Bäcker. Wohltäter ermöglichten dem knapp Dreißigjährigen das Studium der Theologie, das ihn auch nach Rom führte, wo er in den jungen Redemptoristenorden eintrat. Nachdem ein Einsatz in Österreich zur Zeit der katholischen Aufklärung nicht möglich war, wurde Hofbauer nach Warschau gesandt, wo er ab 1785 vor allem für die deutschsprachige Bevölkerung tätig wurde. Zwanzig Jahre wirkte er hier; er gründete unter anderem mehrere Schulen für Kinder. Sein Einsatz gerade für die Kleinen ging soweit, dass er auch für sie bettelte. Bei einer dieser Betteltouren kam es zu jener gern zitierten Szene, nach der ein Mann ihm ins Gesicht spuckte; Klemens Maria aber sagte nur: „Das war für mich. Geben Sie mir jetzt auch etwas für meine armen Kinder.“ Er betrat neue Wege der Seelsorge: In St. Benno in Warschau, richtete er eine „immerwährende Mission“ ein, die vor allem tägliche Gottesdienste, Predigten, Andachten und Angebote des Bußsakraments umfasste.

1808 endete die Tätigkeit der Redemptoristen in Warschau. Hofbauer wirkte bis zu seinem Lebensende fortan hauptsächlich in Wien. Obgleich er nur eine untergeordnete Stellung als Beichtvater und Kirchenrektor bei den Ursulinen inne hatte, zog er die Menschen von überall her und aus allen Schichten an. In der Zeit der Aufklärung war er durch seine volkstümlichen Predigten, aber auch durch seine feierlich gestalteten Gottesdienste ein Kontrapunkt zum rationalen Zeitgeist. Zu mehreren Schriftstellern der Romantik pflegte er engen Kontakt, besonders zu Friedrich Schlegel und seiner Frau. Als Schlegel ihm eines Tages ein Schriftstück vorlas, sagte Hofbauer zu ihm: „Gut, mein Friedrich, ganz gut, aber noch besser ist es unseren Herrn Jesus vom Herzen zu lieben.“

Bilder: Dr. Helga Maria Wolf, Wien

In Wien schuf er die Seelsorgsform der Hausbesuche; nicht selten brachte er von seinen Essen mit den Adeligen den Armen die Reste der Mahlzeiten mit. Am 15. März 1820 starb Klemens Maria Hofbauer. An diesem Tag werden heute in manchen Kirchen Wiens kleine Brote gesegnet und anschließend verteilt, die so genannten Klemensweckerl. Sie erinnern an den Bäcker und zugleich den Apostel Wiens, der den Menschen das Evangeliums Und und Mund verkündete: „Und wie ein Brot brachst du das Wort vom Gottesreich an jedem Ort, den Gott dich hieß erwählen“, heißt es in einem Lied über ihn von Maria Luise Thurmair.

 

 

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