Rosenkranz? Geheimnisse? Wow!

Bild in einer Kirche bei Bad Kissingen (Foto: G. Fuchs)
Der „Rosenkranzmonat“ Oktober und das „Rosenkranzfest“, wie der Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz (7. Oktober) immer noch gern genannt wird, hinterlassen keine besonderen Spuren in den „Schaufenstern“ der Wirtschaft. Selbst innerkirchlich sind Rosenkranzgebete und -andachten nicht mehr in dem Maß verbreitet, wie sie es einmal waren. Die neue liturgische Formenvielfalt, die Muttersprache in den Gottesdiensten, eine gewisse Abneigung gegenüber den als veraltet empfundenen Andachten und dem vermeintlichen „Geleiere“ älterer Leute haben der traditionellen katholischen Gebetsform in den vergangenen Jahrzehnten vielfach den Boden entzogen.
Auch lässt sich der Anlass des Rosenkranzfestes, der christliche Sieg über die türkische Flotte bei der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571, der dem Beistand der Gottesmutter Maria zugeschrieben wurde, heute in den Gottesdiensten nicht nur aus „political corectness“ kaum noch nennen. Es stellt sich auch die Frage, inwieweit eine blutige Schlacht wie beim Gedenktag Mariä Namen am 12. September (Sieg der vereinten christlichen Heere über die Türken bei der Schlacht am Kahlenberg 1683) mit Tausenden von Toten als Hintergrund eines Gottesdienstes noch eine Rolle spielen kann. Spürbar ist das in den Formulierungsverrenkungen, die dann manchmal an diesem Tag zu hören sind: „Auch wir brauchen die Hilfe Mariens, um heute mit den bei uns lebenden Türken gute nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen.“
Werden alte religiöse Praktiken, die bis vor wenigen Jahrzehnten im kirchlichen Raum noch beheimatet waren, einfach über Bord geworfen, so tauchen sie an anderer Stelle unter neuen Vorzeichen wieder auf. Das gilt auch für den Rosenkranz, der außerkirchlich durchaus an Bedeutung gewinnt – als „fashion statement“, wie zu lesen ist. Rosenkränze sind Teil eines modischen Outfits geworden – wie es schon länger auch Kreuze und Kruzifixe sind, die als Ohranhänger oder Halskette getragen werden. Als „Glücksbringer“ zum Beispiel. Und über den Umweg der „fashion“ kommt womöglich der Rosenkranz sogar wieder in den kirchlichen Bereich zurück, wenn er als modischer Blickfang zum Erstkommunionanzug bzw. -kleid getragen werden kann, wie man in manchen Anzeigen zur Erstkommunionkleidung sehen kann.
Auch als Tattoos sind Kreuze wie Rosenkränze gleichermaßen beliebt, weil sie manchen Zeitgenossen wohlig-schaurigen Grusel vermitteln und die „Geheimnisse“ dem Träger ein „gewisses mysteriöses Etwas“ verleihen … Da wundert es denn nicht, dass auch Krimis – Filme wie Bücher – mit dem Rosenkranz aufmachen. Mit den Morden ist man dann nicht weit von den blutigen Hintergründen des Rosenkranzfestes entfernt …